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Kirche St. Willibald PDF Drucken E-Mail
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Die Geschichte der Pfarre St. Willibald

Das Gebiet der Pfarre ist uralter Siedlungsboden. Wenn auch wenige Bodenfunde vorliegen, so kann auf Grund der vorliegenden Funde auf eine frühe Besiedelung geschlossen werden. Die ersten Bewohner waren die Kelten. Sie siedelten an Bächen, traten die ersten Pfade aus und schlugen die ersten Breschen in den Reisiger Wald, der von der Donau in breiter Front bis zum Hausruck reichte.

Die Römer folgten den bereits breiten Pfaden und legten die ersten Straßen an. Von Ried- führte eine Straße nach dem heutigen Zell in das Pramtal, durch die heute noch bestehenden Hohlwege nach Raab und weiter nach Aichet und durch den dichten Wald nach Neukirchen. An den Straßenabzweigungen errichteten Wachtürme und bei diesen entstanden die ersten Kleinsiedlungen. Auch in unserem Gebiet waren Wachtürme, die ja auf Lichtungen errichtet worden waren und zwar der eine in Antlang und der andere in Aichet. Die ersten Spuren des Urchristentums sind erkennbar.

Nach dem Abzug der Römer und nach der 1. Völkerwanderung kamen zu uns die Bajuwaren. Sie besiedelten nach 520 das, Gebiet und zwar die einstigen römischen Behausungen und benutzten natürlich auch das noch erhaltene Straßennetz. Aber noch immer beherrschte der dichte Wald das Gebiet und nur nach und nach wurden die geschlagenen Lichtungen größer. Die fränkischen Herzöge beriefen Mönche in das Land. Auf Veranlassung des Bonifazius berief Papst Gregor 111. englische und irische Mönche in die deutsche Mission. Im Jahre 739 verlegte Bischof Vivilo seinen Sitz von Lorch nach Passau und betrieb von hier aus die Besiedelung und die Christianisierung. In Eichstätt wirkte um diese Zeit der englische Mönch Willibald und entfaltete eine weitreichende Missionstätigkeit bis in unser Gebiet.

Damit sind wir beim Patron unserer Kirche und beim Namensvetter der Pfarre, des Ortes und der Gemeinde St. Willibald angelangt. Betrachten wir das Leben dieses Mönches aus Südengland. Er war dort um 700 geboren und war der Bruder von Wunibald und der Walburga. Die Namen seiner Eltern Richard und Wune sind legendär, ebenso die angebliche königliche Würde. Willibald weilte vom 5. bis 20. Lebensjahr im Kloster Waltham und um das Ideal der asketischen Heimatlosigkeit zu verwirklichen, verließ er um 720 mit seinem Vater und seinem  Bruder Wunibald England, lernte von 720 bis 723 in Rom die lateinische Welt, 723 - 727 die Stätten der Bibel im HI. Land und 727 - 729 in Konstantinopel den griechischen Kulturkreis kennen. Von 730 bis 739 lebte er als Mönch in Monte Cassino.

Auf eine Anregung von Bonifazius berief ihn im Jahre 739 Papst Gregor III. nach Deutschland und wurde 740 in Eichstätt zum Priester und am 21.10. 741 bei Erfurt zum Bischof geweiht. Von Eichstätt aus richtete sich seine -Missionstätigkeit auf Angehörige des bayerischen -fränkischen und schwäbischen Stammes zwischen Donau und Regnitz aus. Im Jahre 743 war er Teilnehmer am "Concilium Germanicum", ein Reformconzil des Bonifacius, welches sich mit der Neuordnung der Kirchengüter und der Bekämpfung der heidnischen Bräuche beschäftigte.

In den Jahren 750 bis 760 errichtete er viele Kirchen und Stützpunkte. Die Synode von Atigny besuchte er im Jahre 762. Der Nonne Hugeburc diktierte er am 23.6.778 den Bericht über sein Pilgerleben. Sein Leben war am 17. Juli 797 zu Ende und seine Gebeine wurden im Dom zu Eichstätt bestattet.

Wenn wir gehört haben, dass Bischof Willibald zwischen 750 und 760 viele Kirchen und Stützpunkte errichtete, so können wir annehmen, dass er auch in unserer Gegend zwar noch keine Kirche, aber einen Missionsstützpunkt errichtete, allerdings nicht an der Stelle der heutigen Kirche, sondern In einem anderen Ort. Zu dieser Zeit hatten Kirchen, die meist aus Holz waren, noch keine festen Kirchenpatrone.

Das Wort Kirche stammt vom griechischen Wort "Kyriake" und bedeutet "dem auferstandenem Herrn gehörig" oder ganz einfach "christliches Gotteshaus. " Wir dürfen uns aber auch nicht vorstellen, dass es bei uns bereits große Kirchen gegeben hat. Das Christentum kam auf die einfachste Art und Weise zu uns. Das Kreuz wurde an Wegkreuzungen und in kleinen Siedlungen aufgestellt, dazu kamen die ersten Bilder von Maria und den ältesten Heiligen.

Das Christentum übernahm die heidnischen Kultstätten und errichtete auf diesen die ersten Kapellen. Aus einer Urkunde des Herzogs Tassilo für das Stift Kremsmünster aus dem Jahre 777 entnehmen wir die Benennung "fluenta Antalanga"  für den Antlangbach. Vom Jahre 788 bis 911 stand unser Land bis zur Enns unter der Herrschaft der fränkischen Könige. Neue Siedler kamen.

Als im Jahre 955 die Ungarn über unser Land hinwegstürmten flüchteten die Bewohner in den immer noch undurchdringlichen Wald und suchten Schutz. Neue Herdstätten entstanden und langsam wuchsen die Ortschaften. Sie erhielten die Namen von den Anführern von Siedlern oder Sippenoberen oder auch von natürlichen Dingen. Freilich dürfen wir nicht glauben, dass mit dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung die Ortschaft errichtet wurde.

Das Dorf Aichet wird 1110 zum erstenmal urkundlich erwähnt und der Name bedeutet Eichenhain. Aichet die größere Ortschaft im Bereich der heutigen Pfarre und hier stand vermutlich die erste Kapelle zum hl. Willibald. 1140 wird Pireth erwähnt und um 1150 Patrichsham als Paterichsheim, also Heim des Patarich. Im Jahre 1156 wird der Sallet-Wald als Rote-Salah erstmals genannt und zwar als Grenze zwischen den neuen Herzogtum Österreich und dem Herzogtum Bayern. Bisher war hier nur die Grenze zwischen dem Rottgau und dem Traungau verlaufen.

Die Ortschaft Wamprechtham erscheint 1170 zum erstenmal urkundlich und bedeutet Heim des Wanprecht. Geiselham kommt 1190 als Gisenheim vor und bedeutet so das Heim des Giso und im gleichen Jahr wird das Radergut als Rute genannt. Reiting ist ein echter Rodungsname und wird schon um 1150 als Riuting erwähnt. Die anderen Orte erscheinen erst viel später. Im Verlauf der Zeit hatten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse geändert, der Handel kam immer mehr auf und die Kriege trugen dazu bei, dass neue Straßen angelegt wurden und so kam es zum Bau einer neuen Straße durch die Sallet und eine Mautstelle wurde errichtet, auch ein Hochgericht mit Galgen.

Die Mautner und Grenzwachen wohnten an der neuen Straße. Eine kleine Siedlung entstand. Und hier wurde 1216 eine Kirche errichtet, vielleicht noch aus Holz, vielleicht schon aus Stein, weil ringsherum Granit unter dem Boden lagert und teilweise aus dem Erdreich herausragte. Patron dieser Kirche wurde der hl. Willibald. Es ist noch nicht geklärt, ob das Patrozinium von einer anderen Kapelle in Aichet übertragen wurde oder ob es der Kult um den hl. Willibald war, der damals verstärkt einsetzte. Die erstere Version ist eher anzunehmen. Obwohl die neue Siedlung keinen Namen hatte, wurde der Name des hl. Willibald nur auf die Kirche beschränkt. Dies bedeutet ganz einfach, dass die Ortschaft Aichet immer noch der Hauptort blieb, ja dass die neue Siedlung zu Aichet gehörte, wie aus späteren Unterlagen hervorgeht.

Um 1220 erscheint die Ortschaft Antlang urkundlich und um 1230 kommt der Name Kalchtobel vor. Der Reisathof an der Sallach, Reisetmayr, erscheint urkundlich 1241. Die Kriegsfurie eilte immer wieder durch das Land, die Pest lichtete die Bewohner in den Dörfern und Naturgewalten brachten stets Hunger und Not. Alle diese Ereignisse brachten immer wieder lichtscheues Gesindel hervor und mancher Strauchritter bekam den Strick um den Hals und landete auf dem weithin sichtbaren Galgen.

Die seelsorglichen Belange - Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Todesfälle wurden von der Mutterkirche St. Michael in Raab durch einen Kaplan erledigte doch durch verschiedene Umstände oft nicht ausgeübt und die Bewohner beschwerten sich immer wieder. Im Scharwerkbuch von 1433, ein Verzeichnis der Robotleistungen und Abgaben, wird 1433 der Weiler Geitzed als Gelselharczöd, vom Personennamen Giso, der Weiler Bubenberg, vom Personennamen Burbo, und der Weiler Unterholzen, das heißt "hinter dem Holz", der Loitzhof als Leusmair von Leuczenöd, erwähnt.

Erst im Jahre 1489 wird das Dorf "sand Willbald" urkundlich erwähnt. Die Übertragung des Kirchenpatrons auf die Ortschaft hatte also stattgefunden, obwohl der Ort nur wenige Häuser aufwies und noch lange Zeit ein kleines Dorf blieb, wie wir später hören werden. Die bisherige Kirche war baufällig geworden und um 1500 wurde eine neue Kirche errichtete Im selben Jahre wurde die Mutterpfarre Raab ihren Filialen Enzenkirchen und Zell mit Jebling dem Stifte Suben inkorporiert und Chorherren versahen nun die seelsorglichen Belange. St. Willibald wird in den Unterlagen nun als Filiale bezeichnet und hatte eine Reihe von Stiftungen zu verzeichnen.

Das eindringen der Lehre Luthers brachte auch für die Bewohner manche Verwirrung. Die im Visitationsbericht von 1558 genannten Zustände in den Pfarren waren sehr traurig und ein späterer Bericht aus 1571 lässt den Niedergang des religiösen Lebens erkennen. Nur langsam besserten sich die Verhältnisse, aber immer noch litt die Bevölkerung unter der mangelnden Seelsorge, an der schon damals der akute Mangel an Priestern schuld war. Aus einem Brief des Schärdinger Landrichters Hans Veit von Leoprechting an den Probst von Suben vom 30. April 1611 geht hervor, dass in St. Willibald eine Wochenmesse gelesen werden solltet doch dies seit 1603 nicht mehr geschehen sei. Die Filialkirchen mussten immer schon ihre Einkünfte der Mutterkirche, abliefern, wenn es Not tat. So mussten im Jahre 1646 die Filialkirchen St. Willibald und St. Jakob zusammen 2250 Gulden zur Behebung des erlittenen Feuerschaden der Pfarrkirche Raab abliefern.

Die verschiedenen kriegerischen Handlungen ließen die Gegend an der Grenze nicht zur Ruhe kommen. Truppendurchmärsche und Einquartierungen führten immer wieder zu großen Opfern der Bevölkerung. Dazu kam immer wieder die Pest, so 1629, 1633 und 1648, die Bevölkerung dezimierte. Die Friedhöfe konnten die Toten nicht aufnehmen und so mussten in einzelnen Ortschaften die Toten begraben werden. Die Not war groß und der Hunger wütete unter den Menschen. 

Ernst nach und nach wurde die Zeit wieder besser. Im Jahre 1670 musste die Filialkirche St. Willibald in der Sallet zur Abzahlung der Glocken der Pfarrkirche Raab 300 Gulden zinsfrei vorstrecken. Infolge der Türkengefahr zogen in den Jahren 1680 bis 1684 immer wieder Truppen auf der Reichsstraße, wie sie genannt wurde, durch den Ort und forderte immer wieder Opfer. Die Salletwaldung, ein Ausläufer des Passauer- Waldes, zugleich Grenze zwischen Bayern und Osterreich ob der Enns, war von jeher wegen der durchführenden Reichs- und Heerstraße als ein strategisch wichtiger Grenz- und Einbruchspaß erkannt und deshalb in den verschiedenen Kriegen, besonders des 17. und 18. Jahrhunderts, auf bayerischer und österreichischer Seite mit Schanzen, Gräben und Verhauen gesichert worden, um das Eindringen des Feindes zu verhindern.

Auch im Krieg 1703-1705 war es nicht anders und die Bevölkerung hatte unsägliche Drangsale zu erleiden. Im Jahre 1705 goss Melchior Schorer in Linz eine Glocke mit einem Durchmesser von 32 cm und einem Gewicht von 45 Kilogramm. Sie wurde als Zügenglocke verwendet. Nach den Kriegswirren des Spanischen Erbfolgekrieges und der neuerlich 1711-1713 auftretenden Pest wurde die gotische Kirche einer Erneuerung unterzogen. Der Schärdinger Stadtmaurermeister Josef Hartl legte 1715 ein neues marmorsteinernes Kirchenpflaster, wozu aus Hallein 900 Steine geliefert wurden. Im gleichen Jahr räumte der Schärdinger Brunnenmeister Thomas Schustereder den beim Gotteshaus befindlichen Brunnen der wegen der auf geworfenen Schanz ganz eingeworfen und unsauber gemacht worden war.

Als 1730 zum Turmbau in Mauerkirchen die beiden Filialkirchen in der Sallet mit 100 Gulden Anleihe belastet werden sollten, wehrte sich der Raaber Pfarrvikar Johann Gottfried Mitterer dagegen mit der Begründung, dass die Mutterkirche die Barschaft der Filialen selbst brauche! Im Juni 1732 schlug der Blitz In den Turm des Gotteshauses St. Willibald ein, wodurch der Turm in Brand geraten und das vorhanden geweste in drei Glocken bestandene schöne Geläut samt der Uhr zerschmolzen und ruiniert und auch die Kirchendachung vom Feuer Geschädigt wurde. Es war notwendig, den Turm zum Teil abzutragen und wieder aufzumauern, einen neuen Glockenstuhl und eine neue Kuppel zu setzen, 3 Glocken anzuschaffen, dazu eine neue Uhr nebst einem spanischen Turmkreuz und kupfernen Knopf.

Interessant ist die Begründung mit der , der Geistliche Rat in München die. Wiederherstellung der Kirche bewilligte. Das Gotteshaus stehe auf ziemlicher Höhe und sei an der äußersten Landschaftsgrenze gegen Osterreich weithin sichtbare neben dem eine Wallfahrt dabei und besonders an den so genannten goldenen Samstagen von in und ausländischen Kirchfahrern ein großer Zulauf sei. Der Turm sei in einem proportionierten und ansehnlichen Stand aufzuführen und mit Kupfer zu decken.

Der Schärdinger Kupferschmied Franz Wiesmayer, ein gebürtiger Raaber, erhielt dafür 1327 Gulden. Der Schärdinger Stadtzimmermeister Andreas Höretzberger und der Stadtmaurermeister Johann Georg Köllersperger waren an der Herstellung der Kirche beteiligt. Im Jahre 1733 goss der Braunauer Glockengießer Franz Josef Selleck 3 Glocken, die Zwölfer mit 1045 kg die Elfer mit 492 kg und die Wandlungsglocke mit 260 kg. Auf der Zwölferglocke war Bischof Willibald mit Infel, Stab und Buch abgebildet. Der Turm ist 54 Meter hoch. Eine Notiz vom '3. Juni 1736 besagt, dass für eine Messe in St. Willibald die Paramente allzeit zugetragen werden müssen und für den Geistlichen 1 Gulden, für den Mesner 15 Kreuzer, der Kirche 4 Kreuzer, dem Ministranten 2 Kreuzer verrechnet werden.

Der bayerisch- österreichische Erbfolgekrieg von 1741-1743 brachte wieder dauernden Durchzug von Truppen aus Frankreich, Bayern und Österreich und legte der Bevölkerung wieder harte Zeiten auf. Immer wieder lesen wir von Klagen der Willibalder Einwohnerschaft über die mangelnde Seelsorge von Raab aus und immer mehr wurde ein eigener Priester für die Filiale gefordert.

Im Jahre 1778 kam der Priester Josef Kunzmann als Expositus nach St. Willibald.

Im Friedensvertrag vom 13. Mai 1779 kommt "Innbayern" als "Innviertel" an Osterreich. Die Sallet ist nicht mehr Staatsgrenze zwischen Bayern und Osterreich, sondern nur mehr Grenze zwischen dem Inn- und Hausruck- Kreis. Die ländlichen Gegensätze zwischen den harten Innviertlern und den angeblich weicheren Landlern blieben lange Zeit erhalten. Aus einem Schreiben der sich gebildeten Pfarrgemeinde aus 1779 geht hervor, der dabei befindliche Freydhof ist ebenfalls groß genug. Das bisherige Mauthaus wurde 1779 als Wohnung für den Geistlichen bestimmt und der Wirt Johann Georg Holzapfel zahlt im Jahre 1780 im Namen der Gemeinde für das Mauthaus 400 Gulden. Für die Errichtung einer Pfarrexpositur wurde am 22. Oktober 1781 ein so genanntes Stiftungsinstrument verfass. Die Originalstiftungsurkunde ist vom landesfürstlichen Kommissariats Franz Xaver von Woffenbach, von Probst Wilhelm von Suben, vom Landrichter Josef Maurer und vom bischöflichen, Kommissariats Maurus Zechentner, Dekan zu Waizenkirchen, und im Namen der ganzen Gemeinde von Johann Georg Holzapfel, Johann Lechner, Alois Grömer und Josef Roitinger unterschrieben und gesiegelt.

Aus der Mutterpfarre Raab wurden die Ortschaften Aichet, Antlangkirchen, Geiselham, Landertsberg, Oberentlang, Patrichsham, Reiting, Wamprechtsham und St. Willibald mit 117 Häusern, 184 Wohnparteien und 961 Einwohnern ausgegliedert. Die. neue Pfarrexpositur blieb dem Stifte Suben inkorporiert. Der Probst von Suben, der mit der Errichtung dieser Expositur St. Willibald nicht ganz einverstanden war, stellte 1782 den Chorherren Augustin Lindinger als Pfarrvikar an.

 

Nach der Auflösung des Stiftes Suben im Jahre 1784 wurde St. Willibald eine so genannte Religionsfondpfarre, also eine Weltpriesterpfarre. August Lindinger wurde erster Pfarrer und hatte ab dieser Zeit auch Matriken zu führen. Der "Josephinismus" trieb bereits seine Blüten, es wurde verboten und verboten. So die meisten Prozessionen, die Wallfahrten, Ablässe usw. Am 25. Februar 1783 erschien eine kaiserliche Verordnung über die Einführung einer neuen Gottesdienstordnung. Zu umfangreich sind alle eingeführten Verordnungen über das kirchliche Leben, um sie hier anzuführen.

Ein ganz wichtiges Ereignis trat ein, als Kaiser Josef II. die Diözese Linz errichtet und die 1784 vom Papst anerkannt wird. So kann heuer das Pfarrjubiläum mit dem Diözesanjubiläum gefeiert werden. Im Jahre 1788 wird der. Ort als St. Willibald von der rothen Sallet bezeichnet. Pfarrer Lindinger war um die Verschönerung der Kirche sehr bemüht und schaffte eine neue Kanzel, eine Monstranz und das Altarblatt des Hochaltares, den hl. Willibald, der auf den Kruzifixes hinweist, vom Schärdinger Maler Sebastian Schöndorfer, an. Die Pfarre zählte Im Jahre 1800, 936 Einwohner. Am 24. April 1804 bewilligte das Bischöfliche Ordinariat Linz dem Pfarrer Lindinger den Ankauf eines Altares aus einer gesperrten Kirche zur Aufstellung in der Pfarrkirche.

Die seit 1799 andauernden Truppendurchmärsche und die Kriege 1800, 1805 und 1809 waren für die Pfarrbevölkerung eine große Belastung. Von 1809 bis 1810 gehörte St. Willibald zur französischen Provinz Innviertel und kam 1810 wieder zu Bayern und dem Landgericht Waizenkirchen zugeteilt. Wie 1805 und 1809 konnte auch 1810 und in den folgenden Jahren keine Christmette abgehalten werden. Im Jahre 1812 wurde der Kirchturm mit Kupfer gedeckt. 1816 kehrte das Innviertel wieder an Österreich zurück, aber die alte Einteilung der Dekanate und Landgerichte kam erst 1820 wieder in Ordnung.

Ab dem Jahre 1821 durften die Pfarrer die Brautleute nur gegen Vorweisens des Meldezettels der zuständigen Grundherrschaft trauen. In diese Zeit fällt auch die Errichtung von Leichenkammern bei den Friedhöfen. Am 18. Juni 1824 starb Pfarrer Augustin Lindinger im 71. Lebensjahr. Er wurde an der Ostseite der Pfarrkirche begraben. eine Grabtafel erinnert an sein Wirken. Bis November 1824 war Johann Nepomuk Aichinger als Pfarrprovisor hier, dann kam Johann Ev. Aigner als Pfarrer nach St. Willibald. Im Jahre 1825 wurde die Aufführung von Theaterstücken in den Kirchen durch den Kaiser verboten. Die Errichtung von Pfarrbibliotheken wurde vom Kaiser angeregt.

Im Jahre 1832 hatte der Ort St. Willibald noch immer nur 7 Häuser mit 13 Wohnparteien und 35 Einwohner. Der Ort war also Jahrhunderte überhaupt nicht gewachsen.

Am 19. Juli 1832 wurde Matthäus Voglmayr geb. 1805, in Linz zum Priester geweiht und feierte als 1. Priester aus der Pfarre seine Primiz. Er wurde ein sehr bekannter Geistlicher und gab 1840 der Pfarrkirche die Zügenglocke zurück die gefehlt hatte.

Im April 1840 spendete die Pfarre St. Willibald für das Krankenhaus der Elisabethiner 4 Gulden und 36 Kreuzer. Am 4. Dezember 1841 stirbt In St. Willibald Pfarrer Johann Ev. Aigner. Bereits am 5. Dezember kommt Josef Prinzinger als Provisor und bleibt bis 30. Mai 1842 hier. Als 3. Pfarrer wird Raimund Dirnhofer nach St. Willibald berufen.

Mit Stadthalterei- Erlass vom 8. Oktober 1852 wurde die Umlegung, des Friedhofes angeordnet. Am 8. Juli 1853 ist der neue Friedhof fertig und wird am 31. Juli von Dechant Obermayer eingeweiht. In der Diözese Linz werden im Jahre 1855 die Maiandachten eingeführt.

Der 2. Neupriester aus der Pfarre, Anton Edtl, geb. 1833, feiert am 10. August 1857 seine feierliche Primiz und wird ebenso ein anerkannter Seelsorger und Religionsprofessor.

Aus einer Kirchenrechnung vom 18. August 1860 geht hervor, dass das Pfarrgotteshaus Schärding der Kirche zu St. Willibald 2497 Gulden schuldete.

Ein weiterer St. Willibalder wird am 20. Jänner 1861 zum Priester geweiht und feiert seine Primiz, es ist Alois Köck, geb. 1838. Im April 1862 kommt Pfarrer Dirnhofer nach Waldzell und Johann Kronegger ist Provisor, bis am 19. August 1862 die Pfarre dem Franz Schaffelner kanonisch verliehen und am 9. September auf diese investiert wird. Nach zehn Jahren Tätigkeit, geht Pfarrer Schaffelner nach Schönering, Provisor vom August bis November 1872 ist Ferdinand Pichler.

Als neuer Pfarrer kommt Dominik Schuhbauer im November 1872 nach St. Willibald. Der Brand vom 30. April 1881 richtet an der Pfarrkirche einen Schaden von 1619 Gulden 49 Kreuzer an. Pfarrer Schuhbauer verlässt im Dezember 1884 die Pfarre und Jakob Lang wird bis 17. Juni 1885 Provisor, bis am 18. Juni 1885 Franz Reisinger auf die Pfarre investiert wird. In diesem Jahre zählt die Pfarre 903 Einwohner.

Im März 1897 wird durch milde Gaben eine 120 cm hohe Lourdesstatue angeschafft. Pfarrer Franz Reisinger geht 1897 nach Raab und Provisor wird vom Oktober 1897 bis Jänner 1898 Johann Mayrdoppler. Nächster Pfarrer wird Franz Mayer, der 1899 mit der teilweisen Umgestaltung der Kirche beginnt. Am 17. April 1905 wird in St. Willibald die Herz-Jesu Bruderschaft errichtet.

Von Mai bis August 1907 ist Michael Peterseil Provisor, bis Pfarrer Franz Humer seinen Dienst antritt. Er führt die diversen Veränderungen bis 1912 fort.

1914 bricht der Weltkrieg aus und viele Männer aus der Pfarre müssen einrücken. 1916 zählt die Pfarre 1026 Einwohner. Die Bevölkerung hat also von 1885 bis 1915 um mehr als 100 Menschen zugenommen. Der Krieg fordert von der Kirche seinen Tribut. Am 7. März 1917 wird die Zwölfer- Glocke abgenommen und am 23. November 1917 die Elfer. Nur mehr die Wandlungs- und die Zügen- Glocke hängen für Jahre alleine im Turm. Erst 1923 bekommt die Pfarre ein neues Geläut. Es besteht aus vier Stahlglocken, die In Kapfenberg 1923 um den Preis von 3208 Goldkronen gegossen wurden. Dieser Betrag wurde durch eine Haussammlung der Pfarrgemeinde aufgebracht. Am 29. Juni 1923 weihte Dechant Johann Steindl von Peuerbach die drei größeren Glocken und Pfarrer Franz Humer am 8. September die Sterbeglocke Die bisherige Zügen - Glocke kam in die St. Jakobakirche. Die neuen Glocken hatten zusammen ein Gewicht von 1819 Kilogramm.

Am 2. Juli 1923 feierte Franz Rudinger in St. Willibald sein erstes Meßopfer. Pfarrer Franz Humer ging am 16. November 1927 in Pension und Michael Mayr wurde bis 16. April 1928 Provisor. Von 1928 bis 1933 war Josef Holanik Pfarrer in St. Willibald und trat in den Ruhestand. Von Dezember 1933 bis März 1934 versah Franz Schusterbauer die Provisur, bis Pfarrer Franz Müller seinen Dienst antrat und bis August 1938 blieb. Am 2. Juli 1936 feierte Leopold Wiesinger, der in St. Pölten die Priesterweihe empfangen hatte, in seiner Heimatkirche das erste hl. Messopfer.

Von September 1938 bis Februar 1939 versah Karl Huber die Pfarre als Provisor und von Februar 1939 bis Oktober 1939 war Franz Hofstötter als Provisor tätig. Dann kam Dr. Hermann Ehrengruber als Pfarrer nach St. Willibald, doch am 1. Februar 1942 resignierte er und Johann Schwaiger kam als Pfarrvikar mit den Rechten eines Provisors, der er bis 1946 war. Seit 1946 wirkt Pfarrer Schwaiger in St. Willibald, überaus beliebt und von den Bischöfen wegen seiner einsatzfreudigen seelsorglichen Tätigkeit zum Geistlichen Rat ernannt und später zum Konsistorialret.

Nach 33 Jahren konnte die Pfarre St. Willibald wieder einen Neupriester begrüßen. Am 29. Juni 196 wurde Johann Kerschberger zum Priester geweiht und feierte am 5. Juli seine Primiz. Im Jahre 1971 wurde die neue Leichenhalle erbaut. Ein großes Ereignis war im Juli 1972 die Primiz von P. Franz Sageder aus Antlangkirchen. Er war der siebente Neupriester seit der Errichtung der Pfarre.

Ein weiteres großes Fest war die Orgelweihe zu St. Jakob am 10. Juni. 1979, an der sogar der Herr Landeshauptmann Dr. Ratzenböck und Prälat Odulf Danecker aus Reichersberg teilnahmen. Im Sommer 1981 wurde der Kirchturm renoviert. Die Kosten betrugen 950.000 Schilling, die durch freiwillige Spenden der Pfarrbevölkerung aufgebracht wurden.

Der in neuen Glanz erstrahlte Willibalder Kirchenturm grüßt weit ins Land hinaus.